Bericht

Paris

Paris, die Stadt der Liebe. Paris, die Stadt die Geflüchtete zurückweist. Paris, die Stadt die Hilfe an bedürftigen Menschen unterbindet. Paris, die Stadt der Herzlosigkeit.

Während meines Helfereinsatzes unterstützte ich das Team von Paris Refugee Ground Support. Ein weiteres Mitglied von Open Borders Caravan Bern (OBCB) und ich fuhren zusammen mit dem vereinseigenen Bus, geladen mit Kisten voller Decken, nach Paris. In Paris wurden wir von den Leuten vor Ort schnell über die wichtigsten Geschehnisse informiert und in die Tätigkeit eingeführt.

Nach der Umsiedlung des Camps in Dunkerque, wo wir von OBCB vorher stationiert waren und der Schliessung des Camps in Calais kamen viele der Flüchtenden nach Paris. Dort gab es bis Anfangs November 2016 ein Camp in den Strassen rund um die Metrostation Stalingrad. In diesem Camp waren ca. 4500 Geflüchtete. Nach der Räumung des Camps durch die Polizei entstanden verschiedene Gruppen von Geflüchteten in den Strassen von Paris. Für eine kurze Zeit wurde ein kleineres Camp bei St. Denise errichtet, welches einige Wochen später von der Polizei geräumt wurde. Seither gibt es keine festen Plätze mehr, in welchen sich die Geflüchteten aufhalten können. Das führt dazu, dass momentan die Geflüchteten unter Brücken, Ping-Pongtischen und in Hauseingängen übernachten.

Schon am ersten Abend konnten wir bei einer Kleiderverteilung dabei sein. Diese fand in der Nacht statt. Aus den Seitentüren der Fahrzeuge hinaus gaben wir den Geflüchteten Schlafsäcke, Decken, Hygieneprodukte, Kleidung und Schuhe. Die Hilfsgüter, die wir verteilten, stammten von verschiedenen Hilfsorganisationen aus Europa, zu einem grossen Teil aus England.

Diese Aktionen mussten gut geplant werden, denn sie sind zeitintensiv und sollten möglichst unauffällig über die Bühne gehen, so dass sie von der Polizei nicht abgebrochen wurden. Dabei war es wichtig, dass man sich trotzdem die Zeit nahm mit den Leuten zu reden, um herauszufinden, was sie benötigen. Die meisten Nächte liefen nach diesem Schema ab. Die Route und die Ladung änderte sich je nach Situation und Bedürfnis der Flüchtenden.

Die Tage verbrachten wir mit verschiedenen Aufgaben, die in kleineren Gruppen erledigt werden konnten. Diese beinhalteten das Einkaufen von Hilfsgütern und Essen für Essenspakete, das Sortieren der Hilfsgüter, sortieren im Lager und Erkundungstouren in der Stadt. Die Erkundungstouren dienten dazu Standorte von Geflüchteten zu ermitteln und nach einem Platz zu suchen, der geeignet wäre für ein neues Camp.

Ein bestehendes Geflüchtetencamp in der Nähe von Porte de la Chapelle nimmt täglich 40 Personen auf. Doch dies ist ein kleiner Trost. Die Geflüchteten müssen tagelang anstehen damit sie einer der 400 Plätze im Zentrum erhalten. Wenn sie es ins Zentrum geschafft haben, beträgt die maximale Aufenthaltsdauer jedoch nur 10 Tage.
Viele der Geflüchteten gehen jedoch gar nicht erst zu diesem Zentrum da sie fürchten, Asyl in Frankreich beantragen zu müssen oder ausgeschafft zu werden. Doch ein Grossteil der Geflüchteten in Paris will weiterreisen. Die meisten nach England.

Das Erstellen eines grösseren Camps wäre für Helfer und Geflüchtete ein grosser Erfolg. Dies würde die Hilfe erleichtern und die Geflüchteten könnten sich besser einrichten. Jedoch wird jede grössere Versammlung von Geflüchteten von der Polizei gewaltsam aufgebrochen. Als wir einen Versuch starteten ein Camp zu erstellen, wurde dieses noch in derselben Nacht von der Polizei wieder aufgelöst.

Die Situation in Paris ist im Moment sehr kompliziert. Hilfe zu leisten gestaltet sich wegen der Polizei schwierig. Es ist nicht bekannt, wie viele Geflüchtete sich wo aufhalten und mit dem Einbruch des Winters ist die Lebensgefahr für die Menschen auf der Strasse gestiegen. Es ist extrem wichtig, dass bald ein grösseres Camp errichtet werden darf, um in grösserem Masse helfen zu können und alle Bedürftigen zu erreichen.

Porte de la Chapelle, Geflüchtete leben auf einer Kreuzung (Jan. 17, Vera Heritier)

Links und Infos

05.01.17
Video von Arte über die Situation in Paris

https://www.youtube.com/watch?v=NiDhXSkF2s0

08.01.17
Polizei entwendet Decken von Flüchtlingen

http://www.mirror.co.uk/news/uk-news/paris-police-threatening-lives-homeless-9584865?ICID=FB_mirror_main

08.01.16

Ärzte ohne Grenze warnt. Polizei entwendet Decken und Obdach von Flüchtlingen und bringt diese in Lebensgefahr.

http://www.independent.co.uk/news/world/europe/french-police-stealing-blankets-migrants-paris-msf-a7516171.html

09.01.16

Polizei räumt eine Ansammlung von Geflüchteten

https://www.youtube.com/watch?v=UVN3AgNSfGk&app=desktop

Paris Refugee Ground Support
https://www.facebook.com/PRGS.team

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