Como

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Am Freitag, den 2. September 2016, machte sich eine Gruppe Freiwilliger aus zwei Organisationen, BAAS „Be Aware and Share“ und „One Love“, auf den Weg nach Como (Italien). Ihr Ziel war es, die Versorgungslücken im Park am Bahnhof zu füllen. Hierzu wurden Kleider, Schuhe, Zelte, Decken, Rucksäcke, Schlafmatten und Hygiene Artikel mitgebracht, die am Dienstag zuvor in Bern gesammelt wurden. Zusätzlich fand auch die mobile Küche von „One Love“ den Weg nach Como. Vor Ort sind noch zwei Helfer von „Open Borders Caravan Bern“ zu uns gestossen.

In Como angekommen wurde recht schnell klar, dass viele Bedürfnisse bereits durch lokale Freiwillige und auch durch Hilfsorganisationen wie der Caritas und die Kirche gedeckt sind. So haben wir uns beim Info-Point im Park am Bahnhof, der täglich durch italienische Volunteers besetzt ist, über die Situation informiert. Dort erfuhren wir, dass es in der Stadt eine eigens für die Flüchtenden eingerichtete Kantine gibt, in der von Volunteers täglich Abendessen zubereitet und für die Flüchtenden serviert wird. Daneben existiert auch eine Essensausgabe im Park, die von anderen Volunteers betrieben wird. Deren Küche verfügt über sehr wenig Infrastruktur, sie kochen jedoch gemeinsam mit den Flüchtenden, was bei diesen auf grosse Freude stösst.

Wir wurden eingeladen, uns die Küche und das Essen der Kantine anzusehen. Die Einrichtung sah sehr gut aus, hat aber einen grossen Haken: diese Kantine wird nur bis am 15. September 2016 geführt, damit die Flüchtenden sich unter Druck in das staatliche Camp begeben. Uns wurde schnell klar, warum zusätzlich noch eine Essensausgabe im Park stattfindet. Eine grössere Gruppe der Flüchtenden besucht die Kantine bereits seit einiger Zeit nicht mehr, da sie sich erpresst fühlen.

Da wir eine gut ausgerüstete Küche mit uns führten und wir lieber Projekte gemeinsam mit den Flüchtenden als nur für sie realisieren, entstand rasch die Idee gemeinsam mit den Volunteers im Park zu arbeiten und dort unsere Küche sowie ein vor Witterung schützendes Zelt aufzubauen.

Mit allen Flüchtenden und Volunteers gibt es im Park täglich zwei Treffen. Sie werden von den Flüchtenden selber organisiert, geleitet und in alle Sprachen der jeweils Anwesenden übersetzt. In diesem Forum wird über Ideen und Erneuerungen abgestimmt und Abmachungen werden getroffen, die das gemeinsame Leben betreffen.
Während eines solchen Treffens wurde dann auch unsere Idee des gemeinsamen Kochens vorgestellt, welche einstimmig angenommen wurde. Gemeinsam mit den Flüchtenden machten wir uns ans Ausladen und Aufbauen.

Als das grosse Zelt aufgebaut war, wurde die Polizei auf uns aufmerksam und wies uns darauf hin, dass Kochen keine Option sei und Essen nur in der Küche von Caritas und der Kirche ausgegeben werden dürfe. Erneut nahmen wir Rücksprache mit den italienischen Volunteers vor Ort, die dort bereits gekocht hatten. Sie erklärten uns, dass die Polizei jedes Vorhaben erst mal ablehnt, da sie Angst vor einem Kontrollverlust und einer Eskalation haben. Nach langer Beratung mit den Volunteers und den Flüchtenden entschieden wir trotzdem zu Kochen und danach erneut die Situation zu evaluieren.

Das Kochen wie auch die Essensausgabe verliefen sehr ruhig. Wir bekamen von den Menschen die momentan im Park leben, wie auch von den lokalen Volunteers ein sehr positives Feedback. Die Konsequenz war jedoch, dass die Polizei uns mit einem Grossaufgebot zwang, das Zelt wieder abzubauen. Zusammen mit den Flüchtenden bauten wir alles wieder ab und verluden unser Material auf die Autos.

Kurz darauf hielten die Flüchtenden ein “Notfall-Meeting” ohne Volunteers ab, in dem sie entschieden, sich nicht weiterhin von den staatlichen Organisationen steuern zu lassen und die Kantine zu boykottieren. Nach diesem Treffen teilten sie uns ihre Entscheidung mit und baten uns, das Zelt sowie die Küche wieder aufzubauen.
In weiteren Gesprächen mit Flüchtenden, Volunteers und der Polizei einigten wir uns darauf, die Küche ausserhalb des Camps aufzubauen und das Essen täglich ins Camp zu bringen.

Am Montag durfte das ausserhalb gekochte Essen dann doch nicht ins Camp gebracht werden, was von Seiten der Polizei mit der Aussage begründet wurde, man brauche keine Hilfe aus der Schweiz. Nun wird ein zweiköpfiges Team von „One Love“ das vor Ort verblieben ist, mit einheimischen Volunteers ausserhalb des Camps kochen und das Essen dort auch an die Leute verteilen. Zusätzlich werden sie mit den lokalen Behörden verhandeln, um eine längerfristige Lösung zu finden.

Unsere mitgebrachten Spenden konnten wir verteilen und diejenigen Spenden, welche momentan noch nicht gebraucht werden, sind vor Ort zwischengelagert worden.

Obwohl wir also in Como vielen Schwierigkeiten begegnet sind, können wir unsere Kontaktaufnahme und Unterstützung vor Ort als Erfolg betrachten und möchten uns bei Euch allen für Eure grossartige Unterstützung und Eure Spenden bedanken!

Wir bleiben dran!

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